LKW-Lichtprüfstand
Daimler Chrysler

ref_dcactros_01 Im Spätsommer 2000 erhielt die Abteilung Versuch den Auftrag von DaimlerChrysler, einen Lichtprüfstand für LKW-Scheinwerfer zu bauen. Dieser Prüfstand sollte die Möglichkeit bieten, einen Benchmark verschiedener Scheinwerfer unter-schiedlicher Hersteller zu fahren, um die optimale Ausleuchtung der Fahrbahnstrecke zu ermitteln und Abweichungen zu erkennen.

Anforderungen an den Prüfstand
Um einen eindeutigen Vergleich zu ermöglichen, war es notwendig, verschiedene Scheinwerferpaare gleichzeitig an den Prüfstand zu adaptieren. Des Weiteren sollte die Vorrichtung die Möglichkeit bieten, unterschiedliche Fahrzeughöhen darzustellen. Hintergrund hierfür sind die verschiedenen Höhen der Nutzfahrzeuge. So gibt es den normalen Straßen-LKW für den Nahverkehr, einen Low-Liner für den Volumentransport im Fernverkehr – dieser ist tiefer – sowie den Baustellen-LKW, der aufgrund der Bodenfreiheit sehr hoch ausgelegt ist. Dementsprechend sind die Scheinwerfer in verschiedenen Höhen und, je nach Nutzfahrzeughersteller, auch in unterschiedlichen Abständen montiert. Eine weitere Anforderung war die vollautomatisierte Steuerung, die eine Bedienung außerhalb des LKWs möglich machen sollte. Von DaimlerChrysler erhielt Bertrandt ein komplett ausgestattetes Fahrerhaus, das als Grundgerüst für den Prüfstand diente.

ref_dcactros_02 Links: Erste Skizze des Prüfstands;
rechts: Skizze des Scherenhubtischs









Um das Fahrerhaus höhenverstellbar zu machen und somit die diversen Nutzfahrzeug-Typen darzustellen, entschieden sich die Bertrandt-Mitarbeiter für den Einsatz eines Scherenhubtisches. Damit konnte der Prüfstand um bis zu einen Meter nach oben gefahren werden. Zum Transport der insgesamt 2,5 Tonnen schweren Maschinerie diente im ersten Schritt ein Serien-Actros-Pritschenfahrgestell. Mit Hilfe einer extra gebauten Adaption konnte der LKW unter den angehobenen Prüfstand gefahren und anschließend mit Hilfe von Winden wieder abgelassen werden. Auf diese Weise wurde der Prüfstand mobil.

Erste Prüfung und Modifikationen
Nach dreimonatiger Entwicklungszeit war der LKW-Lichtprüfstand im November 2000 einsatzbereit. Er war höhenverstellbar und gleichzeitig konnten sechs Schweinwerferpaare angebracht und getestet werden. Die speicherprogrammierbare Steuerung war in Schaltschränken im Fahrerhaus integriert – bereit für die erste Prüfung auf einem Flugplatz in Tuttlingen, die von Bertrandt begleitet wurde. Nach diesem ersten praktischen Einsatz wurde der Prüfstand nochmals erweitert. So sollten z. B. die Gegebenheiten eines LKW-Fahrers original zu simulieren sein, d. h. richtige Sitzhöhe und Armaturenbeleuchtung, einsatzbereite Scheibenwischer, Standheizung, elektrische Fensterheber – alle Funktionalitäten eines Fahrerhauses.

Zusätzlich wurde der Prüfstand weiterentwickelt, so dass zwölf eingerichtete Positionen im Automatikbetrieb auf Knopfdruck angefahren werden können. Die Positionen wurden auf drei Scheinwerferpaare verteilt.

ref_dcactros_03 Insgesamt sechs Scheinwerferpaare können parallel an den Prüfstand angebracht werden. ref_dcactros_04 Der Scherenhubtisch
hebt die 2,5 Tonnen
schwere Maschinerie in
die Höhe.
ref_dcactros_05 Auf dem speziell
angefertigten Tieflader
wird der Prüfstand
mobil.

Einsatz in Finnland
Die nächste Prüfung fand in Finnland statt. Zum Transport wurde ein Tieflader nach Maß angefertigt, der im Innenraum beleuchtet ist, über Arbeitsflächen verfügt, Stauraum, Steckdosen und eine separate Stromversorgung bietet. Der Prüfstand wurde auf Winterbetrieb – bis -40°C – umgerüstet.

Mit dem Prüfstand, dem Tieflader und einem Konvoi weiterer LKWs ging es im Dezember 2001 nach Finnland. Dort fanden Lichttests auf einem Flughafenvorfeld statt. Zwei Bertrandt-Mitarbeiter nahmen den Prüfstand in Finnland in Empfang. Ein Sicherheitscheck sowie kleinere Einstellarbeiten wurden vorgenommen und die für diese Prüfung bereitgestellten Scheinwerferpaare auf den Prüfstand montiert. Die Ergebnisse sind eindeutiger, wenn keine Randerscheinungen wie Büsche oder Gräben das Auge stören. In sehr guter Zusammenarbeit wurden gemeinsam mit den DaimlerChrysler-Mitarbeitern der Abteilung Aufbau/Versuch EL/A-V die Prüfungen durchgeführt. Die Tests waren erfolgreich und die gewonnenen Ergebnisse boten Aufschluss über Optimierungspotential.

Erkenntnisse
In das Projekt waren zwei Bertrandt-Mitarbeiter fest und sieben temporär integriert. Da der Prüfstand einzigartig ist und keine Standards existieren, dient er auch als gutes Beispiel, um intelligente Lösungen bis ins kleinste Detail aufzuzeigen. Die exakte Ausrichtung des Fahrzeugs wird beispielsweise mit dem Zielfernrohr eines Gewehrs sichergestellt. Eine weitere Herausforderung war es, Komponenten zu finden, die bis zu -40°C zuverlässig arbeiten.

Um Zusatzfunktionalitäten einzubauen, befindet sich der Prüfstand von Zeit zu Zeit bei Bertrandt. Zusätzlich zu den gewonnenen Testergebnissen für DaimlerChrysler, hat sich Bertrandt durch dieses Projekt im Sonderprüfstandsbau weiterentwickelt. Besonders die gewonnenen Erkenntnisse im Bereich der Kältebedingungen konnten auf verwandte Gebiete übertragen werden.

 

 

pfeil_links zurück